Einer der auszog, um reich zu werden_unveröffentlichte Geschichten

Am 7. Juli ist nach dem Mondkalender chinesischer Valentinstag. Hong erzählt mir hierzu die Geschichte. 

»Youlan, ein Bauernsohn, der auf den Bullen aufpasst, und Zhenü, die jüngste von 7 Töchter vom Himmelskaiser, haben sich verliebt. Als die sieben Töchter auf der Erde in einem See nackt baden, haben sie ihre Kleider abgelegt. Youlan hat die Töchter beobachtet und ein Kleidungsstück verschwinden lassen. Doch die Kleidung hat die Funktion zum Himmel zurückzukehren. Die Göttin Zhenü konnte nicht zurück. Sie haben geheiratet und Kinder geboren. Doch der Kaiser im Himmel war sauer und wütend. Die Liebe ist nicht erlaubt, durch den großen gesellschaftlichen Unterschied. Er hat beide in Sterne verwandelt. Jedes Jahr um dieselbe Zeit treffen sie sich als Sterne wieder.«

Die Nächte sind hier warm, um die 30 Grad. Ich bekomme davon einen Hautausschlag. Hong bringt mich am Morgen zum Hautarzt, sie will wissen, ob der Ausschlag ansteckend ist. 

»Das ist ein Pilz, den du aus Deutschland mitgebracht hast. Denn meine Mutter und ich haben keinen Pilz und wir sind die ganze Zeit hier. Dieser Pilz ist ansteckend, vermehrt sich bei Wärme und Feuchtigkeit. Du musst oft Kleidung wechseln und oft duschen. Die Ärztin wird dir Creme verschreiben, die du auf den betroffenen Stellen einreiben darfst. Joggen wird auch nicht empfohlen. Ein Jacket sollst du in dieser Hitze auch nicht mehr anziehen«, fasst Hong den Besuch zusammen. 

Das alles, während im Behandlungszimmer mehrere Patienten gleichzeitig behandelt werden, andere herumstehen und warten, um die Daten der Patienten zu erfahren. Privater Datenschutz wird in China sehr klein geschrieben. Draußen auf dem Gang eine lange Warteschlange zu einem Raum, in dem Ärzte Haut-Exzesse behandeln. In der Mitte des Raumes eine Feuerstelle mit kochendem Wasser, da herum eine Menge Leute, die gleichzeitig behandelt werden.

Hong hustet während der Nacht und am Morgen stark, aber hält wie jeder Chinese nicht die Hand vor dem Mund, wie es die Deutschen vormachen. 

»Du verteilst deine Bazillen im ganzen Raum und steckst andere Leute an«, erkläre ich ihr.

»Mich am Ohr schlecken, ich habe keine Bazillen«, antwortet Hong scharf. Wie immer, wenn sie verbal angegriffen wird.

Zum Abendessen gibt es Ji Yu (鲫鱼), ein besonderer Süßwasserkarpfen, der laut TCM besonders gut für stillende Mütter ist und Milch produziert. Außerdem Entenleber, etwas zu hart geraten. Dann schwarze Jiaozi.

»Wo kommt die Farbe her?«, will ich wissen.

»Das ist der Saft des Tintenfisches, diese Dumplings heißen deshalb Mo Yu (墨鱼 jiaozi (饺子). Innendrin sind Bällchen aus Tintenfischfleisch«.

Schließlich kommt Wu Ji (乌鸡), ein schwarzes Hähnchen mit grauem Fleisch, wesentlich zarter als eine normales Hähnchen, aber auch teurer. 

Das kleine Mädchen ist jetzt schon sehr widerspenstig beim Kleiderwechsel und aggressiv beim Durchsetzen ihrer Forderungen nach Milch. Schwiegermutter meint deshalb, sie wird später mal die 11. Gruppe in China zum Eliminieren der Korruption leiten. Bisher gibt es nur 10 Kommissionen. Sie denkt immer noch, wir schaffen es nicht, ihr die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Das würde ein Eintritt als chinesischer Beamter und eine Karriere in China unmöglich machen. Hat sie noch Trümpfe in der Hinterhand?